{"id":4202,"date":"2023-07-06T22:59:00","date_gmt":"2023-07-06T20:59:00","guid":{"rendered":"https:\/\/steffi-luka.de\/?p=4202"},"modified":"2026-01-20T11:23:23","modified_gmt":"2026-01-20T10:23:23","slug":"villafranca-del-bierzo-o-cebreiro","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/steffi-luka.de\/en\/villafranca-del-bierzo-o-cebreiro\/","title":{"rendered":"Villafranca del Bierzo &#8211; O Cebreiro"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Tag 29, 06. Juli 2023<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach einem frisch gezapften Kaffee am Automaten packen Angela und ich es an. Es wird ein langer und harter Tag werden von beinahe drei\u00dfig Kilometern L\u00e4nge und 1250 zu \u00fcberw\u00e4ltigenden H\u00f6henmetern. Wenigstens sind wir zu zweit und k\u00f6nnen uns notfalls gegenseitig tragen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und wie schon erw\u00e4hnt, beginnt der erste steile Aufstieg direkt hinter der Herberge. Zu Anfang ist es nur eine kleine, sehr steile enge Stra\u00dfe, und ich finde es bemerkenswert, da\u00df hier noch H\u00e4user stehen. Schon bald wird aber die Stra\u00dfe zum Schotterweg, der so steil ist, da\u00df es mich mit meinem Rucksack fast nach hinten zieht. Und um meine eigene Frage von gestern Abend zu beantworten, ja, offensichtlich haben wir den n\u00f6tigen Elan, denn nach etwa einer Stunde sind wir \u00fcber den Wolken.&nbsp;<\/p>\n\n\n<style>.wp-block-kadence-advancedgallery .kb-gallery-type-masonry.kb-gallery-id-4202_c20982-a7{margin:-5px;}.kb-gallery-type-masonry.kb-gallery-id-4202_c20982-a7 .kadence-blocks-gallery-item{padding:5px;}.kb-gallery-id-4202_c20982-a7 .kadence-blocks-gallery-item .kb-gal-image-radius, .kb-gallery-id-4202_c20982-a7 .kb-slide-item .kb-gal-image-radius img{border-radius:0px 0px 0px 0px;;}.kb-gallery-caption-style-bottom.kb-gallery-id-4202_c20982-a7 .kadence-blocks-gallery-item .kadence-blocks-gallery-item-inner .kadence-blocks-gallery-item__caption, .kb-gallery-caption-style-bottom-hover.kb-gallery-id-4202_c20982-a7 .kadence-blocks-gallery-item .kadence-blocks-gallery-item-inner .kadence-blocks-gallery-item__caption{background:linear-gradient(0deg, rgba(0, 0, 0, 0.8) 0, rgba(0, 0, 0, 0) 100%);}<\/style><div class=\"kb-gallery-wrap-id-4202_c20982-a7 alignnone wp-block-kadence-advancedgallery\"><ul class=\"kb-gallery-ul kb-gallery-non-static kb-gallery-type-masonry kb-masonry-init kb-gallery-id-4202_c20982-a7 kb-gallery-caption-style-bottom kb-gallery-filter-none\" data-image-filter=\"none\" data-item-selector=\".kadence-blocks-gallery-item\" data-lightbox-caption=\"true\" data-columns-xxl=\"1\" data-columns-xl=\"1\" data-columns-md=\"1\" data-columns-sm=\"1\" data-columns-xs=\"1\" data-columns-ss=\"1\"><li class=\"kadence-blocks-gallery-item\"><div class=\"kadence-blocks-gallery-item-inner\"><figure class=\"kb-gallery-figure kb-gallery-item-has-link\"><a href=\"https:\/\/steffi-luka.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/jak29-berg2.jpg\" class=\"kb-gallery-item-link\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" role=\"button\" aria-haspopup=\"dialog\"><div class=\"kb-gal-image-radius\" style=\"max-width:1024px;\"><div class=\"kb-gallery-image-contain kadence-blocks-gallery-intrinsic\" style=\"padding-bottom:56%;\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/steffi-luka.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/jak29-berg2-1024x576.jpg\" width=\"1024\" height=\"576\" alt=\"\" data-full-image=\"https:\/\/steffi-luka.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/jak29-berg2.jpg\" data-light-image=\"https:\/\/steffi-luka.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/jak29-berg2.jpg\" data-id=\"4210\" class=\"wp-image-4210\" srcset=\"https:\/\/steffi-luka.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/jak29-berg2-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/steffi-luka.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/jak29-berg2-300x169.jpg 300w, https:\/\/steffi-luka.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/jak29-berg2-768x432.jpg 768w, https:\/\/steffi-luka.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/jak29-berg2.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/div><\/div><\/a><\/figure><\/div><\/li><li class=\"kadence-blocks-gallery-item\"><div class=\"kadence-blocks-gallery-item-inner\"><figure class=\"kb-gallery-figure kb-gallery-item-has-link\"><a href=\"https:\/\/steffi-luka.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/jak29-berg1.jpg\" class=\"kb-gallery-item-link\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" role=\"button\" aria-haspopup=\"dialog\"><div class=\"kb-gal-image-radius\" style=\"max-width:1024px;\"><div class=\"kb-gallery-image-contain kadence-blocks-gallery-intrinsic\" style=\"padding-bottom:56%;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/steffi-luka.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/jak29-berg1-1024x576.jpg\" width=\"1024\" height=\"576\" alt=\"\" data-full-image=\"https:\/\/steffi-luka.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/jak29-berg1.jpg\" data-light-image=\"https:\/\/steffi-luka.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/jak29-berg1.jpg\" data-id=\"4209\" class=\"wp-image-4209\" srcset=\"https:\/\/steffi-luka.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/jak29-berg1-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/steffi-luka.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/jak29-berg1-300x169.jpg 300w, https:\/\/steffi-luka.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/jak29-berg1-768x432.jpg 768w, https:\/\/steffi-luka.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/jak29-berg1.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/div><\/div><\/a><\/figure><\/div><\/li><\/ul><\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um uns herum ist nichts als Wald, mit Morgentau benetzte Str\u00e4ucher und Heidekraut, und es ist v\u00f6llig ruhig. W\u00e4re da nicht\u2026<br>Also, ich mu\u00df zugeben, da\u00df ich mir einmal mehr gew\u00fcnscht h\u00e4tte hier oben alleine zu sein, denn Angelas Redebedarf ist immens, und die Themen wieder \u00e4u\u00dferst skurril. Irgendwas mit Darmbakterien des Partners zur eigenen Immunisierung, oder sowas. Ich kann das wirklich nicht wiedergeben, aber Angelas Worten nach schlu\u00dffolgere ich, da\u00df ich nie mehr krank werden w\u00fcrde, sollte ich immerzu mit meinem Finger in Davids Hintern rumlaufen. Ich kann nur hoffen, da\u00df ich da was falsch verstanden habe. Manchmal kann ich gar nichts sagen, so verbl\u00fcfft bin ich \u00fcber Angelas abstrakte Gedanken und Thesen, aber ich h\u00f6re zu und versuche zumindest alles zu verstehen.<br>Als sich mein Kopfkino beruhigt hat und ich wieder einen Blick f\u00fcr die Sch\u00f6nheit des Weges habe, schlage ich vor zu fr\u00fchst\u00fccken. Wir finden auch schnell ein idyllisches Pl\u00e4tzchen am Waldrand und klettern ein St\u00fcck den Hang hinauf. Wie gut, da\u00df wir unsere Isomatten haben, der Boden ist arg klamm, und es ist generell etwas frisch hier oben, aber die Aussicht ist fantastisch!&nbsp;Ich mampfe den Ziegenk\u00e4se, den ich mir gestern im Supermarkt gekauft habe, einen Joghurt und etwas Brot. Ein Kaffee w\u00e4re jetzt das Highlight, aber leider habe ich meinen Minikocher nicht mehr. Damit k\u00f6nnte ich uns jetzt einen sch\u00f6nen hei\u00dfen Kaffee zaubern. Aber gut, stilles Kranwasser hat auch seine Reize.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/steffi-luka.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/jak29-rast-in-bergen.jpg\" target=\"_blank\" rel=\" noreferrer noopener\"><img decoding=\"async\" width=\"642\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/steffi-luka.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/jak29-rast-in-bergen-642x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4212\" style=\"width:500px\" srcset=\"https:\/\/steffi-luka.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/jak29-rast-in-bergen-642x1024.jpg 642w, https:\/\/steffi-luka.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/jak29-rast-in-bergen-188x300.jpg 188w, https:\/\/steffi-luka.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/jak29-rast-in-bergen.jpg 752w\" sizes=\"(max-width: 642px) 100vw, 642px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach acht Kilometern m\u00fcssen wir den sch\u00f6nen H\u00f6henweg leider verlassen und nach Trabadelo absteigen, wo wir wieder auf die Normalroute sto\u00dfen. Aber wo ist der Weg? Zwar sehen wir den ein oder anderen gelben Pfeil, aber es ist nie so ganz klar, ob sie den Weg markieren oder den ahnungslosen Pilger zu irgendeiner Bar in Pradela lotsen. Wir irren querfeldein und erschrecken einen Waldarbeiter fast zu Tode, der uns aufgrund seines H\u00f6rschutzes erst sieht, als wir neben ihm aus dem Geb\u00fcsch springen. Der verst\u00f6rte Mann weist uns den Weg in eine Richtung, die auch mein GPS best\u00e4tigt, so da\u00df wir bald auf dem richtigen Trampelpfad runter nach Trabadelo sind. Von dort blicken wir ins Tal auf die schreckliche Bundesstra\u00dfe und hoffen, da\u00df wir das schlimmste Teilst\u00fcck auf unserer Bergtour umgangen haben, wohlwissend, da\u00df wir jetzt auch noch eine ganze Weile entlang dieser Stra\u00dfe gehen m\u00fcssen.<br>Zun\u00e4chst aber m\u00f6chten wir in Trabadelo den Kaffee trinken, der uns oben im Wald verwehrt war, und kehren in die erste Bar ein, die wir finden. Niemand ist zu sehen, als wir die Treppen runter in den Hof einer Herberge steigen, nur wenige Pilger scheinen das handgemalte Schild mit der Aufschrift <em>Bar<\/em> zu entdecken. Und als wir da so im Hof sitzen, unseren Milchkaffee schl\u00fcrfen und ein riesiges St\u00fcck Schokoladenkuchen verdr\u00fccken, kommt tats\u00e4chlich Aki die Treppe runter gehumpelt, was f\u00fcr ein unglaublicher Zufall! F\u00fcr Aki ist diese Herberge Endstation, weiter wird sie heute wegen ihres Fu\u00dfes nicht gehen. <\/p>\n\n\n<style>.wp-block-kadence-advancedheading.kt-adv-heading4202_63fe58-8f, .wp-block-kadence-advancedheading.kt-adv-heading4202_63fe58-8f[data-kb-block=\"kb-adv-heading4202_63fe58-8f\"]{font-style:normal;}.wp-block-kadence-advancedheading.kt-adv-heading4202_63fe58-8f mark.kt-highlight, .wp-block-kadence-advancedheading.kt-adv-heading4202_63fe58-8f[data-kb-block=\"kb-adv-heading4202_63fe58-8f\"] mark.kt-highlight{font-style:normal;color:#f76a0c;-webkit-box-decoration-break:clone;box-decoration-break:clone;padding-top:0px;padding-right:0px;padding-bottom:0px;padding-left:0px;}.wp-block-kadence-advancedheading.kt-adv-heading4202_63fe58-8f img.kb-inline-image, .wp-block-kadence-advancedheading.kt-adv-heading4202_63fe58-8f[data-kb-block=\"kb-adv-heading4202_63fe58-8f\"] img.kb-inline-image{width:150px;vertical-align:baseline;}<\/style>\n<h4 class=\"kt-adv-heading4202_63fe58-8f wp-block-kadence-advancedheading\" data-kb-block=\"kb-adv-heading4202_63fe58-8f\">Rast am Fluss<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der restliche Weg entlang der N6 ist am Ende gar nicht so schlimm, wie ich mir vorgestellt habe. Laut \u00e4lterer Berichte mu\u00dften Pilger fr\u00fcher auf dieser stark befahrenen Stra\u00dfe seitlich auf der Fahrbahn gehen, mittlerweile wurden aber senkrechte Betonplatten als Trennung zwischen Fahrbahn und Fu\u00dfweg montiert. Zwischendurch kommen auch immer wieder Caf\u00e9s zum Einkehren, und oft f\u00fchrt der Weg etwas abseits der Stra\u00dfe durch kleine D\u00f6rfer und am Fluss entlang, dem <em>R\u00edo Valcarce<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Las Herrer\u00edas setzen wir neben einer kleinen r\u00f6mischen Br\u00fccke am Flussufer unsere Rucks\u00e4cke ab und machen Rast. Ich ziehe meine Schuhe aus und bade meine F\u00fc\u00dfe im eiskalten Wasser. Das Wasser ist so kalt, da\u00df ich es nicht l\u00e4nger als ein paar Sekunden aushalte, es tut regelrecht weh. Und was macht Angela? Sie zieht sich ihren Badeanzug an und geht schwimmen. Diejenigen, die auch hier am Flu\u00df ausruhen und wissen wie eiskalt dieses Wasser ist, starren ungl\u00e4ubig in ihre Richtung und k\u00f6nnen es ebensowenig fassen wie ich.&nbsp;<br>\u00bbDie ist immer so\u00ab, sage ich zu einem jungen Pilgerp\u00e4rchen, das neben mir am Ufer sitzt und Angela mit weit aufgerissenen Augen beobachtet.&nbsp;<br>\u00bbGanz sch\u00f6n verr\u00fcckt\u00ab, bemerkt der junge Mann, als er aus seiner Gesichtsstarre erwacht.<br>\u00bbJa,\u00ab best\u00e4tige ich, \u00bbdas ist sie.\u00ab<br>Aber selbst die hartgesottene Angela mu\u00df sich nach ein paar Schwimmz\u00fcgen aus dem Wasser hinstellen und ausschnaufen, denn die K\u00e4lte hat ihr regelrecht die Brust zugeschn\u00fcrt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large\"><a href=\"https:\/\/steffi-luka.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/jak29-herrerias-fluss.jpg\" target=\"_blank\" rel=\" noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/steffi-luka.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/jak29-herrerias-fluss-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4215\" srcset=\"https:\/\/steffi-luka.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/jak29-herrerias-fluss-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/steffi-luka.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/jak29-herrerias-fluss-300x169.jpg 300w, https:\/\/steffi-luka.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/jak29-herrerias-fluss-768x432.jpg 768w, https:\/\/steffi-luka.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/jak29-herrerias-fluss.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinterher sitzen wir noch eine Weile am Ufer. Ich mag Angela sehr. Vielleicht weil sie so anders ist als die meisten, die ich kenne. Sie erinnert mich an eine Freundin aus der Grundschule, die kleine Ute aus dem Aschenbruch in Bochum-Wattenscheid, wo ich aufgewachsen bin. Ute war mir sehr \u00e4hnlich, weil sie, genau wie ich, lieber ein Junge gewesen w\u00e4re. Zusammen haben wir nach der Schule in den Feldern rund um den Friedhof von G\u00fcnnigfeld gespielt, sind auf B\u00e4ume geklettert, haben mit Schwertern aus St\u00f6cken gek\u00e4mpft und Obst und Gem\u00fcse aus den Schreberg\u00e4rten geklaut. Ute war immer dreckig im Gesicht, insbesondere um den Mund herum, weil sie sich mit ihren schmutzigen R\u00e4uberfingern all die Beeren und sonstige wild wachsenden K\u00f6stlichkeiten einverleibt hat. Wir haben stundenlang im Kornfeld gesessen, das wir vorher an einer Stelle platt getrampelt und als unser Revier bestimmt haben. Dann haben wir die Getreidek\u00f6rner aufgepult und gegessen, bis ich mir eines Tages aus Versehen danach die Augen gerieben habe und kurz darauf nichts mehr sehen konnte. Meine Augen waren komplett zu geschwollen, es war meine erste von vielen Heuschnupfen Attacken bis hinein ins junge Erwachsenenalter. Wie auch immer, irgendwann zog Ute mit ihren Eltern nach Bonn, ich war am Boden zerst\u00f6rt. Nie wieder hatte ich so eine Seelenfreundin wie sie.&nbsp;<br>Ich erwache aus meinen Erinnerungen, als Angela ihren Pfirsich aus Versehen in den Dreck fallen l\u00e4sst. Sie hebt ihn auf, legt sich mit ihrem nassen K\u00f6rper auf das feinsandige Ufer und w\u00e4scht ihn im Flu\u00df ab. Ich ertappe mich, wie ich beginne zu l\u00e4cheln, w\u00e4hrend ich sie dabei beobachte. Angela <em>ist<\/em> Ute.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Irgendwann ab Vega de Valcarce geht es wieder richtig steil bergauf durch den Wald, damit habe ich \u00fcberhaupt nicht mehr gerechnet. Weiter oben in La Faba, einem urigen kleinen Bergdorf, kommen wir an einer Bar vorbei. Es ist bereits sp\u00e4ter Nachmittag, und die Sonne brennt hei\u00df, trotz der H\u00f6he. Da es nicht mehr weit ist bis O Cebreiro, beschlie\u00dfen wir hier was zu trinken. Wir haben Platz unter einem Sonnenschirm gefunden und sitzen gem\u00fctlich gegen\u00fcber der Bar am Wegrand, sozusagen auf der Hauptstra\u00dfe des kleinen Ortes. Aber diese Hauptstra\u00dfe hier oben ist in etwa vergleichbar mit einer Gasse im tiefsten Hochsauerland. Und weil Angela und ich uns f\u00fcr <em>Superfrauen<\/em> halten, g\u00f6nnen wir uns statt Milchkaffee zur Abwechslung ein gro\u00dfes Bier. Sind ja nur noch f\u00fcnf schlappe Kilometer, denken wir.<br>H\u00e4tte ich das gewusst. Es geht ausschlie\u00dflich bergauf, und ich k\u00f6nnte im Gehen einschlafen. Nach all der Anstrengung saufe ich dieses Bier in der Hitze, und jetzt komme ich kaum vorw\u00e4rts. Angela scheint es gut zu gehen, zumindest ist sie ein ganzes St\u00fcck vor mir. Ich meine, mir geht es auch nicht schlecht, ich kriege halt nur die letzten Kilometer nicht so richtig auf die Reihe. Es ist, als ginge ich zwei Schritte vorw\u00e4rts, nur um dann wieder einen Schritt zur\u00fcck zu taumeln.<\/p>\n\n\n<style>.wp-block-kadence-advancedgallery .kb-gallery-type-masonry.kb-gallery-id-4202_24f40f-59{margin:-5px;}.kb-gallery-type-masonry.kb-gallery-id-4202_24f40f-59 .kadence-blocks-gallery-item{padding:5px;}.kb-gallery-id-4202_24f40f-59 .kadence-blocks-gallery-item .kb-gal-image-radius, .kb-gallery-id-4202_24f40f-59 .kb-slide-item .kb-gal-image-radius img{border-radius:0px 0px 0px 0px;;}.kb-gallery-caption-style-bottom.kb-gallery-id-4202_24f40f-59 .kadence-blocks-gallery-item .kadence-blocks-gallery-item-inner .kadence-blocks-gallery-item__caption, .kb-gallery-caption-style-bottom-hover.kb-gallery-id-4202_24f40f-59 .kadence-blocks-gallery-item .kadence-blocks-gallery-item-inner .kadence-blocks-gallery-item__caption{background:linear-gradient(0deg, rgba(0, 0, 0, 0.8) 0, rgba(0, 0, 0, 0) 100%);}<\/style><div class=\"kb-gallery-wrap-id-4202_24f40f-59 alignnone 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class=\"kadence-blocks-gallery-item-inner\"><figure class=\"kb-gallery-figure kb-gallery-item-has-link\"><a href=\"https:\/\/steffi-luka.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/jak29-richtung-o-cebreiro2.jpg\" class=\"kb-gallery-item-link\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" role=\"button\" aria-haspopup=\"dialog\"><div class=\"kb-gal-image-radius\" style=\"max-width:1024px;\"><div class=\"kb-gallery-image-contain kadence-blocks-gallery-intrinsic\" style=\"padding-bottom:56%;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/steffi-luka.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/jak29-richtung-o-cebreiro2-1024x576.jpg\" width=\"1024\" height=\"576\" alt=\"\" data-full-image=\"https:\/\/steffi-luka.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/jak29-richtung-o-cebreiro2.jpg\" data-light-image=\"https:\/\/steffi-luka.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/jak29-richtung-o-cebreiro2.jpg\" data-id=\"4217\" class=\"wp-image-4217\" 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Jetzt ist es offiziell, ich bin bald am Ziel. <em>Nicht dar\u00fcber nachdenken, nicht dar\u00fcber nachdenken\u2026&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/steffi-luka.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/jak29-galizien.jpg\" target=\"_blank\" rel=\" noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/steffi-luka.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/jak29-galizien-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4218\" style=\"width:500px\" srcset=\"https:\/\/steffi-luka.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/jak29-galizien-768x1024.jpg 768w, https:\/\/steffi-luka.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/jak29-galizien-225x300.jpg 225w, https:\/\/steffi-luka.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/jak29-galizien-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/steffi-luka.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/jak29-galizien.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">O Cebreiro wurde \u00fcbrigens bekannt durch ein Wunder, das sich im 14. Jahrhundert in der Kirche Santa Mar\u00eda la Real zugetragen haben soll. Es hei\u00dft, ein ungl\u00e4ubiger M\u00f6nch sollte eine Messe f\u00fcr einen gl\u00e4ubigen Bauern halten, der trotz eines Unwetters den Berg herauf kam, um der Messe beizuwohnen. Der M\u00f6nch, der nicht an die reale Gegenwart Jesu in der Eucharistie glaubte, verachtete den Bauern, weil er nur wegen ihm die Messe zelebrieren sollte und nicht verstand, warum jemand nur f\u00fcr ein St\u00fcck Brot und einem Schluck Wein bei so einem schlechten Wetter den Berg herauf kommt. Als der M\u00f6nch den Gl\u00e4ubigen widerwillig segnete, verwandelten sich Hostie und Wein in Fleisch und Blut, was den ungl\u00e4ubigen M\u00f6nch schlie\u00dflich bekehrte.<br>Wahnsinn. Da ist der arme Bauer den ganzen Weg von Barxamaior nach O Cebreiro hoch gestiegen, nur f\u00fcr die Segnung und etwas Wein und Brot. Jedenfalls war er schlauer als ich und hat mit dem Alkohol gewartet, bis er oben war. Auf dem galizischen Wappen ist der Kelch \u00fcbrigens zu sehen, mit dem das Blut aufgefangen wurde. Er ist heute noch als <em>Heiliger Gral<\/em> in besagter Kirche zu besichtigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir checken in der g\u00fcnstigsten Herberge ein, denn das ist die einzige, die um diese Zeit noch freie Betten hat. Schon bei der Ankunft stinkt es erb\u00e4rmlich nach Kloake. Wir bekommen nat\u00fcrlich ein Stockbett zugeteilt, das komplett eingepfercht zwischen anderen steht, dabei ist vorne noch alles frei. Egal, ich bin so m\u00fcde, mir ist jetzt eigentlich alles egal. Ich nehme sogar freiwillig das obere Bett. Nach 29 Kilometern durch bergiges Terrain bei einer Nettolaufzeit von ungef\u00e4hr zehn Stunden bin ich einfach nur groggy. Ich m\u00f6chte jetzt duschen, dann essen, dann schlafen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed aligncenter is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe title=\"O Cebreiro Herberge\" width=\"422\" height=\"750\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/2cG9jLvj9wo?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ich sitze auf meinem Bett und filme kurz in die Runde<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Duschkabinen haben keine T\u00fcr, auch egal. Das hei\u00dfe Wasser tut trotzdem gut, und am liebsten w\u00e4re ich stundenlang darunter stehen geblieben. Der Kloakenmief und mein Hunger treiben mich dann aber trotzdem raus, und schon bald sitzen Angela und ich in einer Bar in der N\u00e4he und essen das obligatorische Pilgermen\u00fc. Im Preis inbegriffen ist jeweils eine Flasche Wein, und da mir ja alles egal ist, nehme ich die heute gerne.<br>Zu uns gesellt sich ein junger Mann namens Niels, der h\u00f6rt, wie wir&nbsp;Deutsch miteinander sprechen und freut sich \u00fcber etwas Gesellschaft. Da auch er eine ganze Flasche Wein bekommt, wird es f\u00fcr ihn und Angela noch ziemlich lustig, ich hingegen habe genug und m\u00f6chte ins Bett.<br>Es ist seltsam, ich bin so m\u00fcde und ersch\u00f6pft, aber ich kann trotzdem nicht richtig einschlafen. Als Angela sp\u00e4ter kommt, bin ich pl\u00f6tzlich unendlich froh sie zu sehen.<br>\u00bbOh, du bist zur\u00fcck! Geht es dir gut?\u00ab frage ich schlaftrunken.<br>\u00bbMir geht es gut, danke.\u00ab Angela l\u00e4chelt.<br>\u00bbBleibst du jetzt hier? Gehst du auch nicht mehr weg?\u00ab<br>\u00bbNat\u00fcrlich bleibe ich hier, wo sollte ich denn sonst hin gehen?\u00ab bemerkt sie verdutzt, woraufhin ich mich zufrieden umdrehe und beruhigt einschlafe. Am n\u00e4chsten Morgen wei\u00df Angela nichts mehr von unserer Unterhaltung. Entweder war sie zu betrunken oder ich habe getr\u00e4umt.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Strecke: 29,2 km \/ Schritte: 49745<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe title=\"#26 Villafranca del Bierzo \u2013 O Cebreiro | full \u00e9tape | Camino Franc\u00e9s\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/N5duEgMAayM?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>After a freshly brewed coffee from the machine in the corridor, Angela and I set off. 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