Lewis und seine Highlands

12. Mai, Harris

Gestern Abend habe ich noch etwa 40 Minuten lang Zitronenschale für meinen neuen Kuchen klein geschnitten, nur um heute morgen zu erfahren, daß Di eine Reibe hat! Trotz unseres schrägen Daseins auf diesem Stellplatz habe ich mir vorgenommen, diesmal einen geraden Kuchen zu backen, indem ich ihn einfach alle 10 Minuten drehe. Hat funktioniert 👏🏼👏🏼😁!

Wie vermutet regnete es schon den ganzen Morgen. Zwar nicht stark, aber der Wind macht es ziemlich ungemütlich. Wir zogen unsere Regensachen an und marschierten trotzdem los. Nach 10 Minuten waren wir eigentlich schon pitschnass. Da machte es jetzt auch nichts mehr, daß David und ich uns der Reihe nach auf den Hosenboden setzten. Es ging über Felsen und Grasbüschel, Moos und Bachläufe, vorbei an Schafen, die Tag und Nacht das Grasland in den Bergen kurz halten. Sie rannten reihenweise von uns davon. Viele tote Schafe lagen dort auch, einige mehr verwest, andere weniger. 

Wir kamen irgendwann an einem Zaun nicht mehr weiter, und hinter dem Zaun sah es nicht besonders einladend aus. So beschlossen wir den ganzen Weg zurück zu kraxeln. Wenigstens regnete es nicht mehr. 
Trotz daß wir naß bis auf die Knochen waren, genoß ich diese Tour sehr! Ich mag die Berge und das Landesinnere einfach mehr als das Meer und den Strand. Deshalb beschloss ich auch für mich heute nicht mehr an den Strand zu gehen, der hinter unserem Campingplatz ist. Das war heute mein Schottland, so wie ich es mag.

Jetzt freute ich mich auf eine heiße Dusche. In meinem Badeponcho und Crocks watschelte ich voller Vorfreude auf dieses erfrischende Ereignis zum Duschblock hinter die Düne. Der Platzwart war gerade da, ging aber fort, als ich kam. Er rief mir noch „Viel Spaß!“ hinterher und verschwand. Oh das werde ich, dachte ich…
Oder auch nicht.
Ich brauchte einen Pfund. Ich hatte aber keinen Pfund. Ich war sauer. Fluchend, mit meinem Waschbeutel in der Hand, schlurfte ich zurück über die Düne. Stinke ich halt. Mir doch egal. 

13. Mai, Harris

In der Nacht bemerkte ich ein blaues blinkendes Licht im Wohnbereich des Campers. Ich stand auf und stellte fest, daß unser Kühlschrank nicht mehr kühlt, ich dafür umso mehr. Unser Gas war alle. Ich schaltete den Kühlschrank komplett aus, denn das Diskolicht ging mir richtig auf die Nerven.
Am Morgen tauschte David die leere Gasflasche mit der Ersatzgasflasche, so konnten wir einmal richtig durchheizen und den Kessel für heißes Wasser aufsetzen. Wir müssen mit dem Gas besser haushalten. Wir können nicht den ganzen Tag die Heizung laufen lassen, kochen, backen und den Kühlschrank auf volle Pulle anhaben, wenn wir autark stehen. Da sind 11 kg Butangas schnell verbraucht.

Bevor wir heute also an unserem neuen Pitch in Ardroil sind, müssen wir

  • Wassertank füllen
  • Gas auffüllen 
  • Tanken
  • Spülwasser ablassen

denn soweit ich weiß haben wir in Ardroil wieder keinen Strom für 2 Tage. Ich darf gleich nicht vergessen sämtliche Sachen während der Fahrt aufzuladen.

I don’t want to hang dead over the fence here, aber schön ist es trotzdem. Nun, man muß das raue Klima schon mögen. 🪨 🐑 🌧 ⛰ 

Stornoway

15:00h – Hello from Stornoway (Gälisch: Steòrnahbhag) 👋🏼. Wir sind hier gerade um eine neue Gasflasche zu kaufen. Zuvor hatten wir Freunde von Di in Leurbost besucht, Liz und Brandon. Sie haben einen unglaublichen Croft, sowas wie einen Bauernhof, mit eigenem Wald, Pfauen, unglaublich vielen Pflanzen, verschnörkelten Gärten, urige Gewächshäuser und ach, ich weiß gar nicht wie ich das beschreiben soll. Sowas habe ich selten gesehen. Sie haben sogar einen alten Bus umfunktioniert als Pflanz- und Umtopfabteilung, sozusagen. Und wenn das umliegende Grasland zu hoch wird, werden einfach Kühe bestellt, die das ganze abgrasen…

Die Gegend hier ist schon viel mehr so, wie man sich Schottland eigentlich vorstellt: mit Heidekraut und Felsen bedeckte Berge, Moorland, tiefhängende Wolken, Seen (Lochs), Wind und nichts als Schafe. Auch mein geliebter Stechginster taucht jetzt ab und zu auf, in seiner gelb blühenden und nach Kokos und Mango duftenden Pracht.

Lewis

19:00 Uhr – Wir sind jetzt, nach einer unglaublichen Berg- und Talfahrt auf der Ardroil Campsite angekommen. Für mich sieht das jetzt eher nach einem Parkplatz aus, aber vielleicht sind wir noch nicht an der richtigen Stelle………. Hier ist auch niemand, bei dem wir einchecken könnten?! 
Aber ok, der Plan ist, daß wir heute eh auf dem Parkplatz eines Restaurants schlafen wollen, bei dem wir heute zu Abend essen. Hier stehen etwa 3 Häuser in einem Umkreis von 100km2, und hier soll tatsächlich ein Restaurant sein 🤣🤣
Bin gespannt.

Aber ich hab ja noch gar nicht erzählt was vorhin passiert ist!!
Wir haben einen Abstecher zum Reef Beach gemacht, laufen da so am Strand entlang und kommen zurück zum Camper, da sagt David “Wir haben ein Problem. Die Autoschlüssel sind weg.” 
Ich wollte nur noch umfallen. Das hatten wir schon mal, sogar in Schottland, aber niemals so fernab von jeglicher Zivilisation!
Ich lief schnurstracks zurück zum Strand, um die Nadel im Heuhaufen zu finden. Im Zickzack graste ich Davids Route ab, Bert folgte Davids Fußspuren. Nichts. Ohne Witz, ich murmelte die ganze Zeit “Lieber Gott, lass uns die Autoschlüssel finden, lieber Gott, lass uns die Autoschlüssel finden”. 
Ein Anruf von Di bewahrte mich vor einem Herzkranzgefäß Katarrh: Sie hatte die Schlüssel auf dem öffentlichen Klo am Parkplatz gefunden!! Oh man! 

Straße in South Lewis und Fahrt zum Reef Beach in Kneep

Und dann war da tatsächlich ein Restaurant, mitten in der Wildnis: Das Uist Sands in Timsgarry.
Wir parkten unsere Wohnmobile direkt daneben, so daß wir nach dem Essen nur noch ins Bett fallen brauchten.

Zum Thema Essen …
Ich bin der Typ „Ich esse um zu leben“ und nicht „ich lebe um zu essen“. Wenn ich Hunger habe, dann möchte ich einen Teller voll mit Essen, und am liebsten einen Löffel, egal was vor mir steht. Ich genieße dann denn Geschmack des Einfachen, gerne einfach nur Nudeln mit Tomatensauce und Apfelmus, oder Reis mit Ketchup und das Gefühl des Sattwerdens.
Plötzlich bin ich in diesem tollen Restaurant und weiß gar nicht, was ich da bestelle. Ich dachte mir, ich bestelle mal das hier:

Es ist mir fast peinlich, aber ich habe die Wörter verwechselt und dachte Langoustines seien eine Art Nudeln. Ich hatte einen solchen Hunger, daß ich nicht klar denken konnte. 😄
Ich bin sehr dankbar, sowas tolles zum Essen zu bekommen, wirklich wahr! Aber fünf kleine Hummerfüße auspulen, wenn mir der Bauch schon weh tut …, oh wie neidisch ich war auf die Vorspeisen der anderen 🤣

Der Rest hat dann aber wirklich geholfen, und ja, es war mega lecker! Ich war auch bemüht ordentlich mit Messer und Gabel zu essen…

Mittlerweile sind ein paar Tage vergangen. Zwar hatte ich Internet, aber keinen Strom! Das lag daran, daß wir die letzten 4 Nächte autark standen und die 230v Steckdosen im Camper dann natürlich nicht funktionieren.
Jetzt sind David und ich auf der Fähre von Stornoway nach Ullapool. Wir verlassen also die Hebriden Inseln und setzen den Rest unserer Reise ohne Di und Bert auf dem Festland fort. Mir fiel der Abschied echt schwer, die beiden fehlen mir jetzt schon.

Gestern haben wir das erste Mal richtig wild gestanden, ohne Campingplatz an einer einsamen Bucht ganz im Norden und bei herrlichem Sonnenschein. Aber dazu im nächsten Post. Ich muss jetzt erst mal hunderttausend Fotos sortieren, und nachher, wenn wir auf unserem neuen Campingplatz in Ullapool sind: 🚿🚿🚿🚿🚿🚿

Hier kommen noch ein paar vereinzelnde Fotos!

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